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Geschichte St. Martin
Geschichte St. Martin

Geschichte St. Martin

Aus der Geschichte der Pfarrei St. Martin

(cf. "St. Martin Idstein" Verlag Nitsch, Ludwigshafen, 1967)

Die Anfänge christlichen Lebens in Idstein verlieren sich in der Frühzeit. Als 1102 die Burg Idstein zum ersten Mal erwähnt wurde, gehörte unser Gebiet zum Bistum Trier. Wahrscheinlich gehörte Idstein zur Pfarrei Wolfsbach, deren Kirche dem hl. Dionys geweiht war und 1668 abgebrochen wurde, nachdem das Dorf schon nicht mehr bestand. Die Wahl des fränkischen Reichsheiligen, des Hl. Martin, zum Kirchenpatron lässt darauf schließen, dass die Kirche in Idstein ein hohes Alter hatte. 1330 musste die romanische Kirche einem Neubau weichen, der im gotischen Stil errichtet wurde. Dem 1333 errichteten Chorherrenstift gehörten sechs Kanoniker an, die im Idsteiner Land die Seelsorge übernahmen.

Die Reformation

Seit 1540 fand unter Philipp, dem Altherrn die Reformation in der Grafschaft Idstein statt. 1553 verließ der letzte katholische Stiftsgeistliche die Stadt. Die Martinskirche (heute Unionskirche) diente von nun an dem lutherischen Gottesdienst und wurde 1665 bis 1680 unter Graf Johannes umgebaut. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es keine katholische Gemeinde in Idstein.

Der Katholische Kultus in Idstein

Mit Urkunde vom 14. März 1806 erlaubte Fürst Friedrich August "die Ausübung des katholischen Kultus in Idstein". Als ersten Seelsorger ernannte er Jacob Nida, der vom Generalvikariat in Aschaffenburg die kirchliche Beauftragung erhielt. Ebenfalls 1806 wurde der Katholischen Gemeinde die Benutzung der Schlosskapelle (dem heutigen Musikraum der Pestalozzischule) widerruflich eingeräumt. Bis zum Bau der Magdalenenkirche wurde im Schloss Gottesdienst gefeiert. Pfarrer Nida starb schon im Jahr 1807. Sein Nachfolger wurde der Kölner Theologieprofessor Augustin Weil aus Eisenbach, seit 1815 Abgeordneter der Nassauischen Ständekammer und ab 1818 Pfarrer in Wiesbaden. Ihm folgte Caspar Halm bis 1826, der später Domkapitular und Stadtpfarrer in Limburg wurde. Christian Flach blieb nur bis 1827 in Idstein, Es folgten Wilhelm Hoffmann (1828-1835), Johann Neubig (1836-1842), Joseph Nicolai (1843-1851), Jacob Schard (1851-1862) und Johann Ehrlich (1861-1868). 1866 war Nassau zu Preussen gekommen und es mußten zunächst die Patronatsrechte geklärt werden. Darum folgten drei Pfarrverwalter: Hermann Houben, Theodor Muth und Johann Josef Dinges. Erst 1873 wurde Caspar Elsing neuer Pfarrer. Er starb im Jahr 1879. Sein Grabkreuz ist am Chor der neuen Martinskirche erhalten.

Die Magdalenenkirche

Wegen des Kulturkampfes blieb die Pfarrrei fünf Jahre verwaist. 1884 wurde sie Wilhelm Schilo übertragen, der sich alsbald an den dringend notwendigen Bau einer eigenen Kirche machte. In ganz Deutschland sammelte er dazu mit Bitt- und Bettelbriefen das nötige Geld. Am 8. Oktober 1888 wurde die neue Magdalenenkirche von Bischof Dr. Klein eingeweiht. 1895 ging Schilo in die Pfarrei Erbach / Rhg. August Buscher wurde sein Nachfolger und blieb 30 Jahre in Idstein. Er starb 1925 bei einem Kuraufenthalt in Bad Reichenhall.Von 1925 bis 1957 war Dr. Ferdinand Pfeiffer Pfarrer in Idstein. Er gründete einen Kirchenchor, richtete die Krankenpflegestation der Erlenbader Franziskanerinnen ein und baute das erste Gemeindesälchen. Er erlebte die unselige Naziherrschaft und musste hunderte getöteter Bewohner des Kalmenhofes beerdigen.

St. Martinskirche

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs durch den Zuzug katholischer Heimatvertriebener die Zahl der Gemeindemitglieder sprungartig an, sodass zunächst eine und dann eine weitere Kaplansstelle eingerichtet wurde. Von 1957 bis 1974 war Hans Usinger Pfarrer in Idstein. In dieser Zeit wuchs die Pfarrei auf über 5000 Mitglieder. Es wurde eine Filialkirche in Wörsdorf gebaut, das Gemeindehaus in Idstein, Pfarrhaus in Wörsdorf sowie die große St. Martinskirche, der die alte Magdalenenkirche weichen musste. Architekt war Professor Johannes Krahn aus Frankfurt. Wörsdorf und Engenhahn wurden eigene Gemeinden. In der Zwischenzeit ist auch die Kirchengemeinde St. Thomas in Waldems errichtet. Von 1975 bis 2005 war Klaus Schmidt Pfarrer von St. Martin. Von 2005 bis 2015war es Jürgen Paul. Seit 2015 ist der Pfarrer Kirsten Brast.

Kirche St. Martin

Am 5. Juni 1965 wurde die neue Kirche an der Wiesbadener Straße von Bischof Dr. Wilhelm Kempf aus Limburg feierlich konsekriert.

Die Architektur

Der Architekt war Professor Johannes Krahn aus Frankfurt, einer der bekanntesten modernen Kirchenbauer seiner Zeit. Der Bau erinnert an eine altkirchliche Basilika: Der Raum ist klar definiert auf den Altar hin bezogen. Er nimmt die liturgischen Vorstellungen und Neuerungen des 2. Vatikanischen Konzils vorweg: es gibt z. B. keine Kommunionbank, und der Tabernakel steht nicht mehr auf dem Altar, sondern auf einer eigenen Säule. Das Fensterband unter der Decke gibt dem Bau aus gemauerten Natursteinen eine einzigartige Leichtigkeit. Die großartige Geschlossenheit und die herbe Nüchternheit dulden keine Nebensächlichkeiten. Die Ausstattung unserer Kirche. Die wenigen Ausstattungsstücke sind einfach und edel: Altar, Ambo, Taufstein und Tabernakel aus Lahnmarmor. Die Kreuzwegfenster sind gestaltet von Paul Corazolla (Berlin), das Vortragekreuz, der Tabernakel, der Osterleuchter und die Monstranz vom Atelier für Goldschmiedekunst Schwerdt und Förster (Aachen). Eine Madonna, die Krippenfiguren sowie das Bild des Hl. Antonius wurden gestaltet von den Geschwistern Degen aus Höhr-Grenzhausen. Eine Martins-Ikone stammt von A. Gaverdowski aus der Idsteiner Partnerstadt Uglitsch in Russland. Die neo-gotische Kreuzigungsgruppe aus dem Vorgängerbau, der Magdalenenkirche, befindet sich über dem Tabernakel in der Seitenkapelle.

Die Umgestaltung

Leider wurde damals beim Bau ein Kalk verwandt, der im Lauf der Jahre den Mörtel total zerbröseln ließ, sodaß in den vergangenen Jahren die Außen- und Innenmauern ausgekratzt und neu verfugt werden mussten. Anlässlich der Innenrestaurierung im Jahr 2003 wurde der Altar in die Vierung vorgezogen und damit genügend Platz für Musikgruppen hinter dem Altar geschaffen; das Querschiff wurde zur Sakramentskapelle umgestaltet, und der Taufstein wurde so verlegt, dass im Gemeindegottesdienst würdig das Sakrament der Taufe gespendet werden kann. Die bisher unzureichende Beleuchtung wurde durch Pendelleuchten ergänzt, und die Kirchenbänke wurden in Eigenhilfe der Gemeinde aufgearbeitet. Die Restaurierung und Umgestaltung der Martinskirche leitete der Architekt Franz Josef Hamm aus Limburg. Mit der Einweihung der Mebold-Orgel am 22. Januar 2006 kam der Umbau zum gelungenen Abschluss.