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Mein Leben mit Corona

Ein Tagebucheintrag
Mein Leben mit Corona
Mein Leben mit Corona
© Hannah Montz

Mitglieder des Jugendausschusses teilen ihre Gedanken

In einem  wöchentlichen Tagebucheintrag könnt ihr Gedanken zu dieser ungewöhnlichen Zeit lesen.

Tagebucheintrag 3

Portrait Moritz Hemsteg

Ich bin dem Jugendausschuss sehr dankbar, dass ich hier quasi einen Gastbeitrag schreiben darf, da ich kein festes Mitglied im Jugendausschuss bin.

Mein Alltag besteht aktuell daraus, sehr viele Briefe und Glückwunschkarten zu lesen. Ich freue mich über die große Resonanz, die der Livestream der Priesterweihe im Limburger Dom auch in unserer Pfarrei gefunden hat.

Aktuell grüble ich sehr stark über meinen Einstieg als Priester in der Pfarrei nach. Viele große und kleine Feste stehen für mich im Zelebrantenplan: Fronleichnam, Herz Jesu, Geburt Johannes des Täufers  – um nur einige zu nennen, und ich weiß noch nicht so recht, wie ich mir diese Feierlichkeiten im Corona-Stil vorstellen soll. Üblicherweise denke ich bei kirchlichen Hochfesten an Weihrauch, Orgel und Chöre, einer Begegnung auf dem Pfarrhof und bestenfalls ein paar warme Worte zu einer gelungenen oder auch nicht gelungenen Predigt. Das wird dieses Jahr sicher anders.

Ebenso treiben mich die Erwartungen an den Change-Kurs des Bistums Limburg um, den ich bald absolvieren werde. Ich dachte an Pfingsten für einen kurzen Moment, ich sei jetzt einigermaßen fertig ausgebildet; aber schon geht es weiter mit dem Input. Ich bin sehr gespannt, was mich da erwartet.

So langsam komme ich nach all den Weiheglückwünschen und dem Grübeln über das „Leben als Priester“ aber in der Realität an und stelle mir die konkreten Frage: Wie funktionieren Verbindlichkeit und Präsenz in Corona-Zeiten und vor allem die quälende Frage im Hintergrund: Hat Corona gezeigt, dass die Kirche und der Trost, den sie spendet, wirklich unersetzlich ist? Oder ist das Christentum eher ein Brandbeschleuniger in der Krise – Stichwort: Baptistengemeinde in Frankfurt? Düstere Aussichten für einen Start, aber ich bin dennoch zuversichtlich, dass es immer und überall Menschen geben wird, die sich, auf welche Art auch immer, von Jesu Christus und seinem pfingstlichen Geist berühren und erneuern lassen wollen.

Um nicht zu finster zu enden: In unserer Pfarrei bereiten sich gerade neben den Familien mit ihren (Klein)kindern auch vier Erwachsene Männer und Frauen auf die Taufe vor. Sie alle wollen etwas davon, was wir „Gemeinschaft“ nennen. Öffnen wir unser Herz für ihre Nöte und die Pforten der Kirche für ihre persönlichen Gebete und Anliegen und heißen sie willkommen.

Johanna vor dem Limesturm
© Hannah Montz

Corona verändert unser Leben, aber es gibt nicht nur Schlechtes daran. Ende April hat die Uni wieder begonnen. Vollkommen digital und, nachdem einige anfängliche Technikprobleme überstanden waren, hat sich eine gewisse Routine eingespielt. Natürlich ist das alles anders als wenn ich wirklich in Frankfurt auf dem Campus wäre, aber es funktioniert ziemlich gut- in Mathe vielleicht sogar besser als vorher, da wir immer eine zusätzliche Fragestunde haben. Was natürlich fehlt sind die Kommilitoninnen und Kommilitonen, das gemeinsame Essen in der Mensa oder das gemeinsame Entspannen auf den Grünflächen.

Gut, allgemein die Freundinnen und Freunde wiedersehen täte gut, aber man findet einfach neue Wege. Die eigentlich geplante 1.Mai Wanderung konnte stattfinden. Bloß sind wir statt alle gemeinsam jeder einzeln gewandert und haben uns über Telefon und Videochat miteinander verbunden. (Anmerkung: mitten im Wald ist zumindest hier im Taunus nicht unbedingt eine Internetverbindung vorhanden, anders in Frankfurt)

Gemeinsam Filme gucken? Auch kein Problem, es sei denn, bei einer Person funktioniert das Internet nicht so wie es soll (tendenziell bei mir).

Spannend bleibt nicht nur die Frage, wie viele Bücher ich dieses Jahr noch lesen werde, sondern auch wie die Prüfungen in der Uni aussehen werden, ob die geplanten Blockpraktika im Sommer stattfinden können und wann ich mit meiner Nachbarin in Frankfurt mal wieder gemütlich auf dem Platz bei uns im Nordend sitzen und über Gott und die Welt quatschen werde. Aber das wird alles schon wieder, manches früher, manches später.

Hannah Montz, Jugendsprecherin

Kerze in Händen
© Bild von Myrian Zilles auf Pixabay

Corona-Krise bei mir zu Hause – der ganz normale Ausnahmezustand geht in die neunte Woche, und ich stelle fest: arbeiten, mit Anna Schulaufgaben bearbeiten und den Haushalt schmeißen kostet von Woche zu Woche mehr Kraft. Hätten wir nicht Unterstützung durch eine Hausaufgabenhilfe hätte es bei uns wohl schon des Öfteren ordentlich gekracht.

Bei uns, das ist im beschaulichen Heftrich, im Haus der Familie Moos. Und während mein Mann seit Wochen noch mehr arbeitet als sonst, sitze ich nun als Gemeindereferentin im Homeoffice. Ich habe mich mit ganz neuen Dingen angefreundet: Skype und Zoom mit all den Tools die es da zu entdecken gibt und mich an einen digitalen Kurs des Bistums gewagt. Auch mit dem Jugendausschuss arbeiten wir gerade an vielen neuen digitalen Angeboten. Das ist spannend und ich hätte nicht gedacht, dass man auch virtuell so viel Nähe und Stimmung aufbauen kann.

Unser Garten und die Möglichkeit im Wald spazieren zu gehen hat uns im Lockdown sehr geholfen. Aber ich vermisse die persönliche Begegnung, die Messdienerstunden, all die Treffen die ausgefallen sind und auch noch ausfallen müssen.

Und in mitten dieser ohnehin so schwierigen Zeit trifft mich nun ein schwerer Verlust. Meine Mutter ist sehr plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Ausgerechnet am Muttertag. Als ich anrufen wollte um ihr zu gratulieren war sie schon auf dem Weg ins Krankenhaus, zwei Stunden später erreichte mich die Nachricht, dass sie verstorben ist. Zwar war sie zuvor auch schon eine Weile krank und im Krankenhaus, im letzten Jahr aber wieder fit und daheim,  zusammen mit ihrem Mann zuversichtlich und mit noch so einigen Plänen.

Jetzt steht die Welt Kopf, ich bin traurig und vermisse sie. Die Beerdigung am letzten Freitag, dort im heimatlichen Bayern, war schwer. Gerne wären aus Altenmarkt, in dem mein Elternhaus steht, so viele gekommen. Denn meine Mutter war eine herzliche, hilfsbereite Frau und sehr engagiert – im Frauenbund, in der Flüchtlingshilfe, bei unzähligen Dingen. Aber aufgrund der Corona-Vorschriften war das nicht möglich. Der elterliche Briefkasten konnte die Trauerpost kaum fassen und diese Anteilnahme tut gut. Ich weiß, sie hat einen neuen Ort, an dem sie gut aufgehoben ist. Ich glaube fest daran, dass es stimmt was Jesus sagt: "Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen und ich gehe, um euch einen Platz vorzubereiten." Noch ist da aber neben dieser Zuversicht, neben meinem Glauben eine große Traurigkeit. Und zugleich muss ich an alle denken, die ebenfalls in dieser Zeit einen lieben Menschen verlieren und wünsche mir, dass sie genauso viel Anteilnahme bekommen und Hoffnung aus dem Glauben.

Johanna Moos