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Sonntagsgottesdienste

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Evangelium und Predigt zum 4. Sonntag im Jahreskreis 29.1.2023

  

Evangelium Mt 5, 1–12a:

Selig, die arm sind vor Gott

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund,
er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Predigt von Pfarrer Kirsten Brast:

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

„Am Tag des Zorns des Herrn“. Dieses martialische Wort findet sich in der heutigen Lesung aus dem Buch des Propheten Zefanja. „Zorn des Herrn“, das klingt furchteinflößend, unbarmherzig und gewalttätig. Das klingt nach dem, was so oft klischeehaft mit dem Alten Testament in Verbindung gebracht wird: Ein blutrünstiger und rachsüchtiger Gott. Ein Glaube, der doch durch Jesus überwunden und von Grund auf gewandelt wurde. Doch so einfach ist das nicht.

Zunächst: worum geht es in der Lesung überhaupt? Im alten Israel hat sich im Laufe der Zeit eine korrupte und habgierige Elite herausgebildet. Diese Oligarchen leben auf Kosten der einfachen Bevölkerung, unterdrücken und demütigen sie, bereichern sich hemmungslos und missachten die Gebote Gottes. Das Volk hingegen leidet. Leidet an Unfreiheit und Unterdrückung. Leidet daran, ausgebeutet zu werden. Leidet daran, dass sich die Mächtigen nicht um seine Sorgen und Probleme kümmern. Ein himmelschreiendes Unrecht also, dem das Volk ohnmächtig und hilflos gegenüber steht. Die einzige Hoffnung, die es hat, besteht in Gott. Ihm vertraut es sich in seiner Ohnmacht an. Er muss das Elend doch sehen! Er muss seinem Volk doch zur Hilfe eilen! Sein Zorn muss doch die treffen, die seinen Namen missbrauchen und die die wehrlosen Menschen demütigen!

Und dann geschieht etwas Außergewöhnliches: Die Babylonier erobern Jerusalem und verschleppen die meisten Angehörigen dieser korrupten Elite in ihr Reich. Ins berühmte „Babylonische Exil“. Die einfachen Israeliten hingegen bleiben in ihrer Heimat zurück. Für sie ist das Ganze im Grunde eine frohe Kunde. Sie müssen zwar nun unter einer fremden Besatzungsmacht weiterleben, aber sie sind immerhin befreit von dieser sie unterdrückenden Oberschicht. Ja, mehr noch: Sie sehen in dem, was geschehen ist, Gott selbst am Werk. Er, der diese Eliten für das von ihnen begangene Unrecht einer gerechten Bestrafung zugeführt hat. „Vielleicht bleibt ihr geborgen am Tag des Zorns des Herrn. Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk. Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des Herrn als der Rest von Israel.“ Der „Tag des Zorns des Herrn“ ist also für die einfachen Israeliten keine Drohung, sondern eine frohe Botschaft. Die Botschaft nämlich, dass Gott das Leiden seines Volkes sieht und sich nicht damit abfindet, sondern die Notleidenden befreit und ihnen Recht verschafft.

So ist es auch zu erklären, dass Jesus selbst die Botschaft Zefanjas aufgreift, und zwar ausgerechnet in der berühmten Bergpredigt, genauer in den heute im Evangelium zu hörenden Seligpreisungen. Auch Jesus ist nicht blind für die Armen und Notleidenden, für die Unterdrückten und Verfolgten. Im Gegenteil. Er sieht sie. Er sieht das Joch, das sie zu tragen haben. Sie stehen im Mittelpunkt seines ganzen Wirkens. Und er preist gerade sie selig. „Selig, die arm sind vor Gott…Selig die Trauernden…Selig die Sanftmütigen…Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit…“. Wir kennen diese Worte. Jesus preist gerade die selig, die doch in unserer Welt – zu Zefanjas Zeiten ebenso wie heute – stets die Angeschmierten sind. Die unterdrückt und ausgenutzt, misshandelt und gedemütigt werden. Das ist kein Akt des Zynismus. Jesus meint es ernst. Denn gerade ihnen verheißt Jesus das Himmelreich. Sie sind diejenigen, denen Gott am nächsten und für die er zuallererst da ist.

Die Bergpredigt verknüpft zwei Dinge miteinander: sie zeigt zum einen den Weg, hier in dieser Welt gemäß dem Willen Gottes zu leben. Und sie lenkt den Blick auf das Himmelreich. Sie ist also weder politische Agenda noch leichtfertige Vertröstung. Sie will uns aufmerksam machen auf die Menschen, die auf vielfältige Weise arm und unterdrückt sind. Wahrscheinlich werden wir uns selbst kaum dazuzählen. Aber wir sollen als Christen für sie eintreten. Ihr Los wahrnehmen. Es – so möglich – wenden. Und gerade da, wo es uns nicht möglich ist, fähig zu werden, immer mehr aus dem Vertrauen in Gott zu leben. Er wird das Unrecht beseitigen, dass wir nicht beseitigen können, hier oder im Himmelreich.

„Dies irae“ – „Tag des Zorns“. Dieser Hymnus gehörte bis zur Liturgiereform im Jahre 1970 zu jeder katholischen Totenmesse. Der Tag des Zorns als Eintritt in das Himmelreich. Das kann bedrohlich klingen. Das kann aber auch im Gegenteil wie bei Zefanja und wie in der Bergpredigt sehr hoffnungsvoll zu hören sein. In der Gewissheit, dass Gott da Recht schafft, wo es Menschen nicht können. Gerade in unseren Tagen, in denen wir so viel Unrecht ohnmächtig erleben, eine so kostbare Botschaft. Oder wie Jesus ruft: „Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.“

Amen.

 

Gottesdiensthefte zu den Sonntagen

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