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Sonntagsgottesdienste

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Evangelium und Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis 26. September 2021

  

Evangelium Mk 9, 38–43.45.47–48:

Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.

Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab!

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus.

In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.
Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

 

Predigt von Pfarrer Kirsten Brast:

Liebe Schwestern und Brüder!

In der vergangenen Woche, genauer gesagt am 18. September, war der 60. Jahrestag eines besonderen historischen Ereignisses. An diesem Tag des Jahres 1961 flog der damalige UNO-Generalsekretär, der Schwede Dag Hammarskjöld, in Richtung des vom Bürgerkrieg erschütterten Kongo, um dort zu vermitteln und möglichst Frieden zu stiften. Fünf Jahre zuvor hatte er dies bereits im Suezkrieg erfolgreich getan. Nun aber gelang es nicht. Hammarskjöld kam erst gar nicht an. Im Grenzgebiet zu Sambia stürzte die Maschine ab und der Spitzendiplomat fand mit allen anderen Insassen den Tod. Bis heute halten sich Gerüchte, das Flugzeug sei abgeschossen worden.

Dag Hammarskjöld war nicht nur ein bedeutender Jurist, Diplomat und Politiker, sondern auch ein tiefgläubiger und tiefschürfender Christ, wovon insbesondere seine Tagebuchaufzeichnungen Zeugnis ablegen. All sein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit war aus seinem Glauben heraus motiviert. Und wenn wir vorhin dieses durchaus widersprüchlich klingende und nicht leicht verdauliche Evangelium gehört haben, so kann uns dieser vor sechzig Jahren zu Tode gekommene UNO-Generalsekretär helfen, es uns zu erschließen – allein mit zwei Zitaten aus seinem Tagebuch.

„Inmitten der Welt frei von sich selbst“ schreibt er zum Beispiel. Johannes, der Lieblingsjünger, hat erfahren, dass ein unbekannter Mann im Namen Jesu heilt und Dämonen austreibt. Er will den Mann daran hindern, ist der doch gar kein Jünger Jesu. Die Jünger sind empört, dass der Mann etwas tut, was ihm eigentlich nicht zusteht, sondern alleine ihnen. Und genau das ist der Knackpunkt. Der Unbekannte tut den Menschen nämlich durchaus Gutes. Er heilt sie. Die Jünger aber sehen nur, dass ihnen ihr Privileg genommen wird. Er ist doch gar keiner von ihnen! Sie sehen die Anerkennung, den Dank, die Bewunderung, die dieser Unbekannte statt ihnen einheimst. Letztlich geht es ihnen also um sich selbst. Da aber stellt sich Jesus seinen Jüngern entgegen. „Hindert ihn nicht! ... Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ Jesus will keinen geschlossenen Kreis formen, sondern der Welt das Heil bringen. Und die Jünger beruft er dazu in seinen Dienst inmitten der Welt. Nicht, damit diese Bewunderung oder Bestätigung erhalten, sondern um seinetwillen. Sie sollen nicht auf sich schauen, sondern, wie Hammarskjöld sagt, „frei von sich selbst“ sein. Als Menschen, die gut auf den Lohn in dieser Welt verzichten können, weil sie fest auf den Lohn in der kommenden Welt vertrauen. Was für ein Gegenprogramm zu persönlicher Eitelkeit und unstillbarer Sehnsucht nach Anerkennung und Bewunderung!

„Das Leben hat Wert nur durch den Inhalt – für andere. Mein Leben ohne Wert für andere ist schlimmer als der Tod“ schreibt Hammarskjöld weiter. Frei von sich selbst zu sein heißt keineswegs, dass das, was ich tue oder nicht tue, bedeutungslos wäre. Im Gegenteil. Und in diesem Sinne sind auch die harschen Worte Jesu zu verstehen, die sich im Evangelium den so großherzigen anschließen. „Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.“ Harte Worte. „Ärgernis geben“ meint, Menschen dazu zu verführen, Böses zu tun oder ihren Glauben zu verlieren. Wie oft geschieht das, auch da, wo es zunächst ganz anders aussieht! Stattdessen mögen die Jünger wertvoll für den Nächsten sein, ihm das Gute bringen. Dabei können sie wie immer auf den Herrn schauen: Jesus selbst wird durch sein Leben und Sterben zum unermesslichen Wert für die Menschen – ohne nach sich selbst zu fragen. Er gibt sich hin. Und Hingabe verlangt er auch von seinen Jüngern. Sie sollen ebenso nicht nach sich selbst fragen, sondern aus dem Vertrauen leben, dass Gott selbst diese Frage schon längst beantwortet hat. So können sie nach dem Nächsten fragen und danach, wie ihre Leben für ihn wertvoll sein können. Wir haben dies doch selbst schon so oft erfahren, oder? Dass wir von einem anderen Menschen zehren können. Dass sein Leben für uns so wertvoll geworden ist. Dass wir an ihm erfahren haben, was Liebe bis zur Hingabe bedeutet.

Dag Hammarskjöld hat nicht nur bemerkenswerte Worte geschrieben, sondern sie auch vorgelebt. Den Einsatz für Frieden und Verständigung bis zum Äußersten. Dass sein Leben wertvoll werden konnte für so viele andere Menschen. Und das tiefe Vertrauen in Gott, aus dem heraus er dies tun konnte. Das, was Jesus von seinen Jüngern und allen Christen einfordert. Dag Hammarskjöld liegt in der Nähe des Doms von Uppsala in Südschweden begraben. Und auf seiner Grabplatte findet sich nur eine schlichte Inschrift mit einem letzten, kurzen Zitat, dass ausdrückt, wie sehr er von sich selbst lassen und doch gerade darin Erfüllung finden konnte: „Nicht ich, sondern Gott in mir.“

Amen.

Gottesdiensthefte zum Sonntag im Jahreskreis

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