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Sonntagsgottesdienste

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Gottesdienst zu Pfingstsonntag

Evangelium und Predigt zu Pfingstsonntag

Evangelium Joh 20, 19–23:

Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch: Empfangt den Heiligen Geist!

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

19 Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus,
trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23 Denen ihr die Sünden erlasst,
denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Predigt von Pfarrer Kirsten Brast:

Liebe Schwestern und Brüder!

Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Menschen sind in einem Raum versammelt. Die Türen sind verschlossen – aus Furcht vor einer äußeren Gefahr. Die Stimmung ist gedrückt. Wirkliche Freude ist kaum zu spüren. Eher Angst, Verunsicherung, Ratlosigkeit, Müdigkeit. Parallelen zwischen dem Pfingstfest der Jünger Jesu und unserem heutigen Pfingsten 2020  sind förmlich mit Händen zu greifen – auch wenn die Ausgangslage natürlich eine ganz andere ist. Hier sind wir und versuchen, das Hochfest des Heiligen Geistes zu feiern und erleben doch, dass all die Einschränkungen unserer Tage unsere Festfreude oft mehr als trüben. Dort sind die Jünger, die nach der Himmelfahrt des Herrn mit einem Berg von Aufgaben zurückbleiben und nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Um zu erfassen, was da geschieht, müssen wir nochmal einen Schritt zurückgehen zu eben jenem Himmelfahrtstag. Damals verabschiedet Jesus sich von seinen Jüngern, entzieht sich ihren Blicken und kehrt heim zu seinem Vater. Zugleich aber gibt er seinen Jüngern die Zusage, auch künftig bei ihnen zu bleiben und nicht passiv zu werden, sondern weiterhin zu wirken. Man könnte mit Blick auf heutige Umstände sagen, Jesus arbeitet jetzt von zu Hause aus – Jesus im Home Office. Er wirkt von dort aus mit dem, was wir „Heiligen Geist“ nennen, jenem unsichtbaren Beistand, der doch wirksam ist. Bei den Jüngern tritt dieser Beistand geradezu spektakulär in Erscheinung: ein Brausen vom Himmel her; ein heftiger Sturm, der das Haus erfüllt; Feuerzungen auf den Köpfen. Wie eindrucksvoll! Und wie wirkungsvoll ist er, da doch die eben noch verzagten und ratlosen Jünger nun plötzlich todesmutig und vielsprachig vor den Menschen auftreten und predigen!

Als Christ heutiger Tage könnte man da einmal mehr neidisch werden. Nicht nur, dass sie Jesus sehen und hören und greifen konnten! Nicht nur, dass sie ihm als Auferstandenen begegneten und er ihnen den Sinn der Schrift erschloss und das Brot brach! Jetzt also auch noch dieses eindrückliche Pfingstereignis, welches sie förmlich zu neuen Menschen werden lässt. Wie anders ist da doch oft unser Erleben. Wir haben zwar auch diesen Heiligen Geist empfangen, wie wir glauben. Wir sind getauft und gefirmt. Aber wer von uns hat denn schon annährend Vergleichbares erlebt wie jene Jünger im Abendmahlssaal? Wer von uns hat denn eine solche Erfahrung eines hochdosierten Geistdopings gemacht? Wenn wir den Geist empfangen, dann offenbar allzu routiniert und kaum merklich.

Vielleicht ist aber die Schilderung dieses Pfingstereignisses in der Apostelgeschichte auch ein wenig irreführend. Zwar halten wir Menschen gerne Ausschau nach dem Spektakulären und Dramatischen, wissen aber zugleich, dass dies die große Ausnahme darstellt. Der größte Teil unseres Lebens ist nun einmal Alltag. Weder besonders schön noch besonders schlecht. Und ist es nicht mit unserem Glauben gar nicht so anders? Meist keine Verzückung und keine Hochgefühle. Alltag eben.

Der Heilige Geist aber ist eben etwas gerade für diesen Alltag, nicht bloß für große Festtage. Er ist für die Regel, nicht für die Ausnahme. Und er passt sich offenbar diesen Gegebenheiten an, wird leicht übersehen und bleibt doch wirksam. Vielleicht ist er oft weniger Feueratem als langer Atem. Ein langer Atem für unser langes Leben und für das lange Leben der Kirche.

Ausgerechnet im Alten Testament, im ersten Buch der Könige, finden wir eine Geschichte, die genau das so wunderschön beschreibt (1Kön 19). Der Prophet Elija ist auf dem Weg zum heiligen Berg Horeb, um niemand anderem als Gott selbst zu begegnen. Was erlebt er dort nicht alles! Sturm! Erdbeben! Feuer! Doch jedes Mal heißt es lapidar: „doch der Herr war nicht im Sturm…nicht im Erdbeben…nicht im Feuer“. Gott kommt und wirkt meist nicht als spektakuläre Urgewalt. Dann aber, so heißt es weiter, kommt ein „sanftes, leises Säuseln“. Als Elija das hört, verhüllt er plötzlich sein Gesicht und verlässt die Höhle, in der er sich versteckt hat: Gott ist eingetroffen.

Ein sanftes, leises Säuseln, das uns doch so oft verborgen bleibt in unserem Alltag und nicht wahrgenommen wird im Lärm dieser Welt. Ein sanftes, leises Säuseln, durch das Christus von seinem Zuhause aus weiter in unserer Mitte gegenwärtig und wirksam bleibt. Ein sanftes leises Säuseln, das uns nicht schlagartige Veränderungen verspüren lässt und uns doch erneuert. Ein sanftes, leises Säuseln, dass uns Kraft und Mut und Ausdauer gibt, unserem Glauben, unserer Sendung und letztlich Christus selbst treu zu bleiben – und dies im oft so eintönigen und grauen Alltag und wider allen Problemen unserer Tage und unserer Kirche. Einen langen Atem eben.

Pfingsten soll uns nicht zu falschen Erwartungen verführen, Pfingsten soll uns Mut machen! Es soll uns erkennen lassen, dass wir nicht weniger Heiligen Geist empfangen als einst die Jünger und dass Christus in diesem Geist auch in dieser Zeit unter uns wirkt, auch hier hinter scheinbar verschlossenen Türen und bei vielleicht gedämpfter Stimmung. Werden wir sensibel und hellhörig für dieses sanfte, leise Säuseln und erkennen wir: Gott ist da. Jetzt. Heute. Hier.

Amen.

 

Gottesdienstablauf
  • Gottesdienst vom 24. Mai 2020

  • Gottesdienste zu Pfingsten