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Sonntagsgottesdienste

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Evangelium und Predigt zum Psalm 1 von Gemeindereferentin Martina Jüstel 17. Januar 2021

  

Psalm 1:

Weisung zur Wahl des rechten Weges

Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht über seine Weisung nachsinnt.

Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.

Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.

 

Evangelium Joh 1, 35–42:

Sie folgten Jesus und sahen, wo er wohnte, und blieben bei ihm

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister —, wo wohnst du? Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus – der Gesalbte. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels. Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

 

Predigt zu Psalm 1 von Gemeindereferentin Martina Jüstel

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ich darf heute über Psalm 1 zu ihnen sprechen. Da ich nicht weiß, ob und wieviel sie sich schon mit den Psalmen beschäftigt haben, möchte ich eine kurze Einführung geben:

Das Buch der 150 Psalmen, auch Psalter genannt, nämlich dann, wenn die Psalmen gesungen werden, ist das Lebens- und Glaubensbuch des Volkes Israel. Die Psalmen wollen dem Volk Gottes, das sich in seiner Geschichte ja öfter in Leid und Angst befand, Hoffnung durch die Zusage von Gottes Gegenwart geben. Von der Form her ist es eine über Jahrhunderte hinweg gewachsene Sammlung von Gebeten und Liedern, die etwas von der Gotteserfahrung der Menschen ausdrückt und eine Antwort auf das Wirken Gottes in der Schöpfung und in der Geschichte mit seinem auserwählten Volk und den Völkern ist. Die Psalmen nehmen das Gespräch mit Gott und vor ihm auf. Wir finden in den Psalmen alle menschlichen Gefühle wieder. Das ist großartig, denn auch wir Christen sind nicht frei von Zweifeln, Ängsten und manchmal sogar Hass. Die Psalmen zeigen uns, dass wir mit all dem zu Gott kommen können. Wenn die Menschen der Bibel so beten und fühlen durften, dann darf ich das auch. Manchmal muten mich die Worte der Psalmen durch ihre alte Sprache sehr fremd an. Doch beim näheren Hinsehen, können sie sich mir erschließen. Es sind keine dogmatischen Abhandlungen zu irgendwelchen theoretischen Themen. Nein, es sind poetische Texte und Gedichte mitten aus dem Leben. Und es gibt eine Anleitung zu den Psalmen. Das ist der Psalm 1. Er wird auch das Eingangstor zu den Psalmen genannt.

Der Psalm beginnt mit einem Glückwunsch „Selig der Mann, der nicht nach dem Rat der Frevler geht, nicht auf dem Weg der Sünder steht, nicht im Kreis der Spötter sitzt….“, heute würden wir eher sagen „Glücklich ist derjenige und diejenige, der und die sich nicht verführen lässt von denen, die Gottes Gebote missachten, der und die nicht dem Beispiel gewissenloser Sünder folgt und nicht mit Leuten zusammensitzt, denen nichts heilig ist…“. Das klingt ja fast so, als sollten wir uns von Menschen fern halten, die Gott nicht kennen oder nichts von ihm wissen wollen. Aber so können wir diesen Vers nicht verstehen. Christen gehören in diese Welt. Das wird in den Vereinbarungen des letzten Konzils im Vorwort des Kapitels „Die Kirche in der Welt von heute“ ganz deutlich ausgedrückt. Dort steht: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger und Jüngerinnen Christi.“ Wir sollen den Kontakt zu den Menschen suchen, ihnen zuhören und verstehen. Wie sollen wir sonst ihre Nöte und Ängste kennen lernen und auf ihre Probleme eingehen können? Wem sollen wir sonst von Jesus erzählen?

Doch wie ist dann der erste Vers des Psalm 1 zu verstehen? Ich denke, wir sollen uns nicht verführen lassen von der Art und Weise wie Menschen, die Gott nicht kennen, mit dem Leben und auch den Dingen manchmal umgehen: Sie schaden z.B. der Natur, verschmutzen sie. Haben sie in den Nachrichten gesehen, wieviel Einweggeschirr und Pizzakartons während der Pandemie in die Landschaft geworfen wurden? Gottlose Menschen haben oft keine Werte und Normen. Das macht das Leben an der einen oder anderen Stelle einfacher. Doch daran sollen wir uns nicht orientieren.

Der Psalmbeter stellt dem folgende Möglichkeit gegenüber: „Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des Herrn und darüber nachsinnt bei Tag und bei Nacht.“ Das hebräische Wort, das hier mit nachsinnen übersetzt ist, bedeutet eigentlich murmeln. Man soll das Wort Gottes den ganzen Tag vor sich her sagen. Das war nämlich die einzige Möglichkeit, ein paar hundert Verse auswendig zu lernen, wie es die Juden taten. Und so konnte man das Wort Gottes wirklich fast Tag und Nacht in seinem Herz bewegen, mit sich führen, darüber nachdenken. Es geht heute nicht mehr darum, das Wort Gottes den ganzen Tag zu murmeln, aber es zu kennen wäre schon wichtig. Und um es zu kennen, muss man es lesen und sich damit beschäftigen. Nehmen sie sich Zeit für Gottes Wort und versuchen sie, sich Dinge zu merken, die sie ansprechen.

Der Psalmist verrät uns auch, was dann mit dem Menschen passiert: „Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken“. Da entsteht in mir doch sofort ein Bild von einem prachtvollen Baum, toll gewachsen, mit starken Ästen und dichtem Blätterdach an einem gurgelnden Bach. Mit so einem Baum wird man gerne verglichen. Das Bild bedeutet doch: Wenn wir uns an Gottes Wort halten werden wir genauso sein: Groß, stark, gesund, schön anzusehen. Aber: Deckt sich das mit unserer Erfahrung? Auch wir Christen kennen wirtschaftliche und finanzielle Sorgen, Streit, Schicksalsschläge, Krankheit und Tod zu einer Unzeit. Da fühlen wir uns eher wie ein kleiner krüppeliger Baum. Bezogen auf unser weltliches Leben kann man diesen Vers nicht uneingeschränkt gelten lassen. Doch wenn man tiefer schaut, dann wird deutlich, dass wir als Christen einen Sinn im Leben haben, der trotz Krankheit und Sorgen trägt, oder tragen kann. Wir sind als je der Mensch, der wir sind, von Gott gewollt. Jesus liebt uns, ist uns in seinem Heiligen Geist nahe und hat uns Sündenvergebung und eine ewige Heimat bei Gott erwirkt. Mit diesem Hintergrund können wir ein solch starker Baum sein.

Es ist noch vom Frucht bringen in dem Vers die Rede. Frucht zu bringen ist der Daseinszweck eines Baumes. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“ Für uns bedeutet das: An Jesus dran zu bleiben, in ihm verwurzelt zu sein, seine Worte in unser Herz aufzunehmen, seine Gebote zu halten, indem wir Gott und die Menschen lieben. Dann ist unser Herz so erfüllt, dass es nicht mehr schwer ist, Zeuge der Liebe Gottes zu sein und Menschen für Jesus zu begeistern.

Zum Schluss gibt uns der Psalmist noch eine Warnung mit auf den Weg: „Ganz anders ergeht es allen, denen Gott gleichgültig ist. Sie sind wie Spreu, das der Wind verweht“. Doch unsere Erfahrung ist auch hier eine andere: Wer ist denn reich und angesehen in unserer Gesellschaft? Die, die am wenigsten Skrupel haben, die sich nicht um Gottes Gebote scheren. Doch die Erfahrung zeigt auch: Viele sind trotz ihres Reichtums und Ansehens nicht glücklich, denn wahres und erfülltes Leben gibt es nur bei Gott.

Wir dürfen dankbar sein, dass wir Gott kennen, dass wir den Schatz des Glaubens gefunden haben. Es sollte uns Ansporn sein, anderen Menschen zu diesem Leben als Baum zu verhelfen. Unser aller Aufgabe ist es, Menschen mit dem lebendigen Gott in Kontakt zu bringen. Lassen Sie uns dabei phantasievolle und mutige Wege gehen. Amen

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