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Sonntagsgottesdienste

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Evangelium und Predigt zum 26. Sonntag des Kirchenjahres

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist zu euch gekommen
auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt;
aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt. Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Predigt von Pfarrer Brast:

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Wie in schlechten Romanen und Filmen, so scheinen auch im Evangelium die Rollen klar verteilt: da gibt es die finsteren, hässlichen Bösewichter und die guten Sympathieträger, und am Ende gewinnen natürlich die Guten. So scheint es im Evangelium generell mit den angeblich bösen Pharisäern und den angeblichen guten Sündern zu sein und so scheint es auch mit dem vielleicht etwas plump daherkommenden Gleichnis des heutigen Evangeliums zu sein, das sich ja auf jene beiden Gruppen bezieht. Nur vordergründig geht es da erneut um die Arbeit in einem Weinberg. Zwei Söhne werden vom Vater aufgefordert, diese zu verrichten – der eine sagt ja, tut aber nichts; der andere lehnt zunächst ab, besinnt sich dann aber doch noch eines besseren und arbeitet im Weinberg. Mehr erfahren wir nicht, mehr ist auch nicht nötig. Ein schlichtes Gleichnis mit einer scheinbar schlichten Moral: Eine späte, aber ehrliche  Umkehr mit Taten, die aus ihr folgen, ist allemal besser als ein frühes Ja, das bloß ein Lippenbekenntnis bleibt. So weit, so gut.

Aber: Jesus erzählt solche Gleichnisse nie einfach so ins Blaue hinein. Immer hat er eine konkrete Situation vor Augen, ein handfestes Problem. So sieht er sich – sehr vereinfacht – zwei Lagern gegenüber: zum einen den „Frommen“, allen voran den sich als Elite begreifenden Pharisäern, die eben die Rolle der Bösewichter abonniert zu haben scheinen. Ihnen hält er vor, dass sie zwar sehr früh „Ja“ zu Gott und seinen Geboten sagen und dies allzeit betonen – aus ihrem Ja aber eben keine Taten erwachsen. Der Glaube, der ihnen angeblich so wichtig ist, bleibt vordergründig und prägt nicht ihr Leben. Man merkt an ihren Taten, an ihrem Verhalten dem Nächsten gegenüber, nicht, dass sie Ja zu Gott gesagt haben.

Und dann sind da zum anderen die Sünder, die von der großen Mehrheit der Menschen Verachteten. Zöllner, Prostituierte. Menschen, die scheinbar weit weg sind von Gott, die mit ihrem Leben Nein zu ihm und seinem Gesetz gesagt haben. Menschen aber, die Jesus nicht aufgibt, sondern mit denen er verkehrt, in deren Häuser er eintritt – und bei denen er Umkehr bewirkt. Ein spätes Ja zu Gott und die handfeste Tat, die ihr Leben verändert.

Gleich mehreres sollte man dabei bedenken: so plump und primitiv, so manichäisch klar unterteilt in Gut und Böse, ist die Verkündigung Jesu keineswegs. Die Pharisäer sind natürlich keine einheitliche Masse von Bösewichtern. Viele sehr ernsthafte Gläubige sind unter ihnen, die sich Tag für Tag um ein gutes, gottgefälliges Leben mühen. Und Jesus weiß darum, denn er steht ihnen nahe und hat viele Gemeinsamkeiten mit ihnen, allen voran den Glauben an  die Auferstehung. Auch sind die Sünder, mit denen Jesus verkehrt, keineswegs „Opfertypen“, mit denen man zuallererst Mitleid haben müsste. Vielleicht kommen sie manchmal allzu putzig daher wie der berühmte Zollpächter Zachäus, der auf einen Baum klettert, um Jesus zu sehen. Ein Halsabschneider und skrupelloser Ausbeuter ist dieses knuffige Kerlchen in Wirklichkeit. Und wenn wir antiquierte Begriffe wie „Zöllner“ oder „Dirne“ mal ersetzen durch „Kredithai“ oder „Drogendealer“ oder gar „Nazi“, bekommt das Vorgehen Jesu plötzlich einen ganz anderen Einschlag. Er nennt ihr Verhalten glasklar böse und schlecht und weiß um ihre große Schuld. Aber im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen – und vielleicht auch im Unterschied zu uns heute – schlägt er ihnen nicht ein für allemal die Tür vor der Nase zu. Er will ihre Umkehr, er will ihr aufrichtiges, wenn auch spätes „Ja“ zu Gott - nichts weniger.

Unser Glaube macht es sich keineswegs sehr leicht mit „Gut“ und „Böse“, im Gegenteil. Wir wissen, dass in unserer Welt und in unserem Leben die Rollen selten so klar verteilt sind. Wir sollten uns aber auch immer bewusst machen, dass der Ruf zur Umkehr nie nur anderen gilt, sondern stets bei mir persönlich beginnt. Und Umkehr beginnt wie im Gleichnis nicht erst mit der Tat, nicht erst mit der Arbeit im Weinberg, ist nicht zuerst eine Frage erbrachter Leistung. Umkehr beginnt bereits damit, dass der eine Sohn nach seinem Nein ganz offensichtlich weiterhin über das Wort des Vaters grübelt, nachdenkt, damit ringt – bis sich sein Nein in ein Ja verwandelt. Wieviel mehr wert ist es, das Wort ernst zu nehmen und damit zu ringen, als es mit einem leichtfertigen und gedankenlosen „Ja, ja“ sofort zu vergessen? Wie wichtig auch für uns Christen, das Wort Gottes ernst zu nehmen, darüber zu grübeln und sich daran zu reiben. Es ist der Anfang aller Umkehr.

Amen.

Gottesdienstheft vom 26. Sonntag im Jahreskreis